EU AI Act › Risikoklassen

Die 4 Risikoklassen des EU AI Act

Der EU AI Act teilt KI-Systeme in vier Risikostufen ein – von verboten bis minimal. Die Einstufung bestimmt, welche Pflichten für Ihr Unternehmen gelten.

Der risikobasierte Ansatz ist das Herzstück des EU AI Act. Je höher das Risiko eines KI-Systems, desto strenger die Anforderungen. Unternehmen müssen ihre KI-Systeme korrekt einstufen, um die richtigen Compliance-Maßnahmen zu ergreifen.

Verbotene KI

Unannehmbares Risiko

Hochrisiko-KI

Hohes Risiko

Begrenztes Risiko

Transparenzpflichten

Minimales Risiko

Freiwillige Maßnahmen

Risikopyramide – von verboten (oben) bis minimal (unten)

Verbotene KI

Art. 5 EU AI Act

KI-Systeme, die als Bedrohung für grundlegende Rechte und Sicherheit gelten, sind in der EU vollständig verboten. Diese Systeme dürfen weder entwickelt noch eingesetzt werden.

Beispiele

Social Scoring durch Behörden

Biometrische Echtzeit-Fernüberwachung im öffentlichen Raum

Manipulation durch unterschwellige Techniken

Ausnutzung von Vulnerabilitäten bestimmter Gruppen

Pflichten

Vollständiges Verbot. Kein Inverkehrbringen, keine Inbetriebnahme, kein Einsatz erlaubt. Verstöße werden mit bis zu 35 Mio. € oder 7 % des Jahresumsatzes bestraft.

Hochrisiko-KI

Art. 6–49, Anhang III EU AI Act

Hochrisiko-KI-Systeme betreffen kritische Bereiche wie Gesundheit, Sicherheit oder Grundrechte. Für sie gelten die umfangreichsten Compliance-Anforderungen.

Beispiele

KI in medizinischen Geräten und Diagnostik

KI für Personalentscheidungen (Recruiting, Leistungsbewertung)

Kreditwürdigkeitsprüfung und Versicherungs-Scoring

KI in kritischer Infrastruktur (Energie, Verkehr)

Pflichten

Risikomanagementsystem, technische Dokumentation, Daten-Governance, Konformitätsbewertung, CE-Kennzeichnung, Registrierung in der EU-Datenbank, menschliche Aufsicht, Logging und Monitoring.

Begrenztes Risiko

Art. 50 EU AI Act

KI-Systeme mit begrenztem Risiko unterliegen Transparenzpflichten. Nutzer müssen wissen, dass sie mit KI interagieren oder dass Inhalte KI-generiert sind.

Beispiele

Chatbots und Konversations-KI

KI-generierte Texte, Bilder oder Videos

Deepfakes und synthetische Medien

Emotionserkennung am Arbeitsplatz

Pflichten

Kennzeichnungspflicht: KI-generierte oder -manipulierte Inhalte müssen als solche gekennzeichnet werden. Nutzer müssen informiert werden, wenn sie mit einem KI-System interagieren.

Minimales Risiko

Art. 95 EU AI Act

Die große Mehrheit der KI-Systeme fällt in diese Kategorie. Es gelten keine gesetzlichen Pflichten, aber freiwillige Verhaltenskodizes werden empfohlen.

Beispiele

Spam-Filter in E-Mail-Programmen

KI-gestützte Produktempfehlungen in Online-Shops

KI-Optimierung in Computerspielen

Automatische Rechtschreibprüfung

Pflichten

Keine gesetzlichen Pflichten. Es wird empfohlen, freiwillige Verhaltenskodizes zu befolgen und Transparenz gegenüber Nutzern zu wahren (Art. 95).

Schnelltest: Welche Risikoklasse?

FrageWenn ja...Risikoklasse
Manipuliert Ihr KI-System menschliches Verhalten?System ist wahrscheinlich verbotenVerbotene KI
Betrifft es Gesundheit, Sicherheit oder Grundrechte?System gilt als HochrisikoHochrisiko-KI
Generiert es Inhalte oder interagiert es mit Nutzern?Transparenzpflichten beachtenBegrenztes Risiko
Keines der obigen trifft zu?Freiwillige Maßnahmen empfohlenMinimales Risiko

Quelle: Verordnung (EU) 2024/1689 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 2024. EUR-Lex Volltext

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