📘Grundlagen
KI-Risikoklassen einfach erklärt
Welche Risikoklasse betrifft Ihr KI-System? Die vier Stufen des EU AI Act verständlich zusammengefasst.
1. Juni 20266 min Lesezeit
Warum Risikoklassen?
Der risikobasierte Ansatz ist das Herzstück des EU AI Act. Die Idee: Nicht jedes KI-System birgt die gleichen Gefahren. Ein Spamfilter ist weniger riskant als ein KI-System, das über Kreditvergabe entscheidet.
Durch die Einteilung in Risikoklassen werden die Anforderungen proportional zum Risiko gestaltet – Unternehmen mit harmlosen KI-Anwendungen werden nicht unnötig belastet, während kritische Systeme streng kontrolliert werden.
Klasse 1: Unannehmbares Risiko
Diese KI-Systeme sind vollständig verboten. Dazu gehören:
• Social-Scoring-Systeme durch Behörden
• KI, die menschliches Verhalten unterschwellig manipuliert
• Systeme, die Schwächen von Personen gezielt ausnutzen
• Biometrische Echtzeit-Fernidentifizierung in öffentlichen Räumen (mit Ausnahmen)
Unternehmen, die solche Systeme einsetzen, müssen sie sofort einstellen. Es gibt keine Übergangsfrist.
Klasse 2: Hohes Risiko
Hochrisiko-KI-Systeme unterliegen den strengsten Anforderungen. Beispiele:
• Personalauswahl und HR-Entscheidungen
• Bonitätsbewertungen und Kreditvergabe
• Bildung und Prüfungsbewertung
• Medizinische Diagnostik
• Strafverfolgung und Justiz
Pflichten: Technische Dokumentation, Risikomanagement, Konformitätsbewertung, menschliche Aufsicht, Qualitätsmanagementsystem.
Klasse 3 & 4: Begrenztes und Minimales Risiko
Begrenztes Risiko betrifft hauptsächlich Transparenzpflichten (Art. 50):
• Chatbots müssen als KI gekennzeichnet werden
• KI-generierte Inhalte (Text, Bild, Video, Audio) müssen als solche markiert werden
• Deepfakes müssen offengelegt werden
Minimales Risiko umfasst die Mehrheit aller KI-Anwendungen (z. B. Spamfilter, Empfehlungssysteme). Hier gelten nur freiwillige Verhaltenskodizes.
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